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  • Meinem Vaterland, der Republik Polen, treu sein

     

  • NACHRICHTEN

  • 27 Juni 2018

    Die Ministerpräsidenten des Staates Israel und der Republik Polen haben eine gemeinsame Erklärung abgegeben.

     

     

    1. Seit dreißig Jahren stehen die Kontakte zwischen unseren Ländern und Völkern auf einer soliden Grundlage von Vertrauen und Verständnis. Israel und Polen verbindet eine tiefe, langjährige Freundschaft und Partnerschaft, und sie arbeiten auf internationaler Ebene eng zusammen. Dies gilt insbesondere auch für die Erinnerung an den Holocaust und seine Rolle in der historischen Bildung. Diese Zusammenarbeit verläuft im Geiste gegenseitigen Respekts für die Identität und historische Empfindlichkeit, gerade bezüglich der tragischsten Abschnitte unserer Geschichte.

     

    2. Nach einem Gespräch zwischen den Ministerpräsidenten Netanjahu und Morawiecki begrüßt Israel die Entscheidung der Regierung der Republik Polen, eine offizielle polnische Gruppe zum Zweck des Dialogs mit den israelischen Partnern über historische Fragen im Zusammenhang mit dem Holocaust zu berufen. Es liegt auf der Hand, dass der Holocaust ein beispielloses Verbrechen war, das Nazideutschland gegen das jüdische Volk einschließlich aller Polen jüdischer Herkunft begangen hat. Polen hat stets höchstes Verständnis für die Bedeutung des Holocaust als des tragischsten Abschnitts der Geschichte des jüdischen Volkes zum Ausdruck gebracht.

     

    3. Wir glauben, dass es eine gemeinsame Verantwortung für ungehinderte Forschung gibt, um das Verständnis zu fördern und die Erinnerung an die Geschichte des Holocaust zu bewahren. Wir waren uns stets einig darin, dass der Begriff „polnische Konzentrationslager” oder „polnische Todeslager“ eine grobe Fälschung ist und die Verantwortung der Deutschen für die Einrichtung dieser Lager vermindert.

     

    Die polnische Exilregierung der Kriegszeit war bestrebt, diese Aktivitäten der Nazis zu stoppen, indem sie die Aufmerksamkeit ihrer westlichen Alliierten auf den systematischen Mord an den polnischen Juden richtete.

     

    Wir erkennen an, dass es Fälle von Grausamkeit gegen Juden gegeben hat, die während des Zweiten Weltkriegs von Polen begangen wurden, und wir verurteilen jeden einzelnen dieser Fälle.

     

    Es ist uns eine Ehre, an das heldenhafte Verhalten vieler Polen, insbesondere der Gerechten unter den Völkern, zu erinnern, die ihr eigenes Leben in Gefahr brachten, um jüdische Menschen zu retten.

     

    4. Wir weisen Versuche zurück, Polen oder die polnische Nation insgesamt für die Grausamkeiten verantwortlich zu machen, die die Nazis und ihre verschiedenen Nationen entstammenden Kollaborateure begangen haben. Leider ist es eine bedauerliche Tatsache, dass einige Menschen - unabhängig von Herkunft, Religion oder Weltanschauung - sich damals von der schlechtesten Seite gezeigt haben. Wir erkennen an, dass die Strukturen des polnischen Untergrundstaates, der von der polnischen Exilregierung kontrolliert wurde, einen Mechanismus zur systematischen Hilfe und Unterstützung für jüdische Menschen ins Leben gerufen haben, und dass die diesem Untergrundstaat unterstehenden Gerichte Polen für Fälle der Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht verurteilt haben; zu diesen Fällen gehörte auch die Denunziation von Juden.

     

    5. Wir unterstützen freie und offene historische Forschung und Diskussion über alle Aspekte des Holocausts und streben an, dass diese ohne jede Furcht vor rechtlichen Hindernissen betrieben werden können. Dies gilt nicht nur für Studierende, Hochschullehrer, Forscher und Journalisten, sondern zweifellos auch für die Überlebenden des Holocaust und ihre Familien. Alle diese Gruppen unterliegen keinerlei strafrechtlichen Sanktionen dafür, dass sie ihre Meinungs- und Forschungsfreiheit mit Bezug auf den Holocaust wahrnehmen. Kein Gesetz kann und wird daran etwas ändern.

     

    6. Beide Regierungen verurteilen entschieden alle Formen des Antisemitismus, und sie äußern ihr volles Engagement, ihm in allen Formen entgegenzutreten. Beide Regierungen bringen auch ihre negative Haltung gegenüber Antipolonismus und anderen negativen nationalen Stereotypen zum Ausdruck. Die Regierungen von Polen und Israel rufen dazu auf, im öffentlichen Sprachgebrauch zu einem höflichen und respektvollen Dialog zurückzukehren.

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