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  • Meinem Vaterland, der Republik Polen, treu sein

     

  • NACHRICHTEN

  • 16 September 2018

    In Ausführung des geheimen Protokolls zu dem Ribbentrop-Molotow-Pakt zwischen dem Dritten Reich und der Sowjetunion vom 23. August 1939 marschierten die sowjetischen Truppen in Polen ein. In dem sowjetisch-deutschen Abkommen wurde die Teilung des Staatsgebietes der Republik Polen zwischen den beiden totalitären Staaten festgelegt. Die Sowjetunion verpflichtete sich, Deutschland bei Kriegshandlungen gegen Polen zu unterstützen.

     

     

    Als Vorwand zum Einmarsch in Polen diente die Meinung der sowjetischen Regierung, als Folge des Überfalls durch die Deutschen habe Polen als Staat aufgehört zu existieren und die polnische Regierung werde in absehbarer Zeit Warschau verlassen. Damit erklärten die sowjetischen Machthaber die bisher geltenden bilateralen Verträge für ungültig, z.B. den polnisch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1932. In Wirklichkeit hielt sich die polnische Regierung bis zum 17. September in Polen auf und Präsident Ignacy Mościcki bezeichnete das Handeln der Sowjetunion als aggressiv. Zweifelsohne wurden dadurch auch bilaterale Abkommen sowie das internationale Recht verletzt.

     

    Die sowjetischen Truppen stießen auf polnischen Widerstand, u.a. in Wilna, Grodno und Lemberg. In diesen Städten wie auch überall in den östlichen Wojewodschaften der II. Republik Polen kam es verstärkt zu Gewaltakten gegen polnische Kriegsgefangene und gegen die Zivilbevölkerung. Um den Einmarsch durch die Sorge um die Sicherheit der weißrussischen und der ukrainischen Bevölkerung zu rechtfertigen, wurden diese von den Sowjets offen zu Ausschreitungen gegen die Polen ermutigt.

     

    Zusammen mit den regulären sowjetischen Truppen nahmen auf dem polnischen Territorium auch Sondertruppen des NKWD ihre Tätigkeit auf. Sie setzen sich zum Ziel, die Strukturen des polnischen Staates und die potenzielle Widerstandsbewegung lahmzulegen. Aus diesem Grund kam es auf dem besetzten Gebiet zu einer Verhaftungswelle und zu Erschießungen von Angehörigen höherer gesellschaftlicher Schichten. Unter Verletzung der zu Kriegszeiten üblichen Vorgehensweisen und -konventionen wurden die meisten kriegsgefangenen Offiziere der polnischen Armee in Katyń ermordet. Hunderttausende Polen wurden verschleppt, vor allem nach Sibirien und Kasachstan. Als Ziel dieser Aktionen wurden mehrfach die endgültige Beseitigung des polnischen Staates und der Anschluss besetzter Gebiete an den sowjetischen Staat genannt. 

     

    Der Einmarsch der sowjetischen Truppen in Polen beschleunigte die Entscheidung der polnischen Regierung, das Land zu verlassen. Dazu kam es in der Nacht vom 17. zum 18. September 1939; als Folge wurden staatliche und militärische Strukturen der Republik Polen nun im Exil aufgebaut, mit Präsident Władysław Raczkiewicz an der Spitze. Polens Staatlichkeit brach also nicht ab und wurde bewahrt, um den Kampf der polnischen Armee im Ausland fortzusetzen.

     

    Der verlorene Verteidigungsfeldzug von 1939 setzte den Kämpfen im Lande kein Ende. Trotz der Repressionen seitens der Besatzer wurde bereits am 27. September 1939 die Organisation „Dienst für den Sieg Polens“ ins Leben gerufen. Geheime Strukturen der polnischen Widerstandsbewegung ermöglichten die Entstehung des größten Untergrundstaates im besetzten Europa. Verbrecherisches Handeln zweier totalitärer Staaten hatte die Teilung des im Kampf alleingelassenen Polen zur Folge. In den besetzten Teilen des polnischen Staatsgebiets begann eine massenweise Ermordung der dortigen Bevölkerung, die im Grunde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 andauerte.

     

    Der Zweite Weltkrieg stellt eins der gewaltigsten Traumata in der Geschichte Polens dar. Bis heute beeinflussen seine Folgen die polnische Außenpolitik. Obwohl seit 1939 über 79 Jahre vergingen, bewahren die Polen die damaligen Ereignisse auf besondere Art und Weise in ihrer Erinnerung. Der Krieg, der in den frühen Morgenstunden des 1. September 1939 mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Republik Polen begann, war der barbarischste und grausamste in der Weltgeschichte. Sowohl im Hinblick auf die vielen Millionen Opfer und gewaltige materielle Schäden als auch wegen des vollständigen Bruchs mit allen moralischen und ethischen Normen kann er mit keinem anderen Krieg verglichen werden.

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